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Aktuell Obwalden | KW 47 | 24. November 2022

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AKTUELL PERSÖNLICH Im

AKTUELL PERSÖNLICH Im Auftrag des Teufels Von einem Finanzverwalter würde man nicht erwarten, dass er den dunklen Mächten huldigt. Ist der vierfache Grossvater noch zu retten? Gottlob haben sie sich wieder verkrochen, diese gefährlichen Gestalten. Mit Lederjacken, kaputten Hosen und langen, ungewaschenen Haaren pilgerten sie ans Urrock-Festival in Sarnen. In einer Hand ein lauwarmes Bier, in der anderen eine Zigarette. Was soll man nur von diesen Rockern halten? Verdorbenes Pack! Mitten im Publikum, zwischen all den röchelnden und raufenden Banditen, stand Jürg Zentner, 58 Jahre alt, vierfacher Grossvater. Weiss die Gemeinde Giswil, dass einer ihrer wichtigsten Mitarbeiter den Pfad der Tugend verlassen und den dunklen Mächten die Pforte geöffnet hat? Zentner ist nämlich nicht nur Finanzverwalter in Giswil, sondern auch Leiter Personal und Mitglied der Geschäftsleitung. Die unerschrockene «aktuell»-Redaktion hat Jürg Zentner zur Rede gestellt. Ihn am Tag 2 des Festivals zum Interview eingeladen – wohlwissend um die Gefahr, dass er unsere Büros in Brand steckt und uns grün und blau prügelt. Wir verwerfen den Gedanken, Polizeischutz anzufordern, und stellen uns Auge in Auge dem Bösen gegenüber. Gnade uns Gott! Gesittet und friedlich Dann die Überraschung: Jürg Zentner ist offensichtlich – um in der Sprache der Verruchten zu verweilen – en todliebä Siäch. Und während er sich all die Rocker-Klischees anhört, derer wir uns hier bedienen, setzt er ein breites Grinsen auf, bestätigt, was auch in der arrivierten Gesellschaft längst kein Geheimnis mehr ist – dass nämlich Fans der harten Rockmusik zu den gemütlichsten und friedfertigsten Gesellen gehören. «Darüber staune ich selbst immer wieder», sagt er lachend. «Als ich mich gestern nach den Konzerten auf den Heimweg machte, fiel mir wieder einmal auf, wie gesittet und friedlich es an Rockkonzerten zugeht.» Tattoo erinnert an wildere Zeiten Rein optisch und akustisch kann von «gesittet und friedlich» natürlich keine Rede sein. Auch am Urrock-Festival tragen die Bands tiefschwarze Kleidung und singen (oder schreien) über noch schwärzere Welten. Hölle, Feuer, Tod, Verwüstung: Mit solchen Begriffen schlägt man Normalbürger in die Flucht, für Rockmusiker und deren Fans dagegen sind es Zutaten für einen guten Song. Wer irgendwo einen Totenkopf aufgenäht – oder noch besser: tätowiert – hat, gehört zur Familie. Da ist Jürg Zentners Kleidung noch harmlos. Und das tätowierte Segelschiff, seit knapp 40 Jahren auf seinem Oberarm, fährt längst in sanften Gewässern. «Man wird natürlich schon etwas ruhiger im Alter», sagt er. Wenn er nach einem strengen Arbeitstag heimkommt, dann legt er nicht eine Heavy- Metal-Platte auf und zertrümmert das ganze Mobiliar, sondern isst ganz gesittet mit seiner Frau Znacht – und geniesst die Ruhe. Das war nicht immer so. «Was hörst du nur für Musik?» Diese Frage musste sich

Hemd gegen Urrock-Garderobe getauscht: Finanzverwalter und Heavy-Metal-Fan Jürg Zentner (58). Jürg Zentner als Teenager oft von seinen Eltern stellen lassen, wenn die verzerrten Gitarren aus den Lautsprechern in seinem Zimmer kreischten. Und natürlich der Klassiker unter den Mahnungen im Elternhaus: «Nicht so laut bitte!» Die Plattenhüllen von Bands wie Judas Priest, Iron Maiden und Motörhead verhiessen ebenfalls nichts Gutes, sondern bildeten ein Sammelsurium von verfaulten Fratzen aus der Unterwelt und in Ketten gelegten Monstern. Man möchte sich fast bekreuzigen, wenn Jürg Zentner sagt: «Heute höre ich eher härtere Musik als früher.» Und doch gibt es Grenzen. Bei den härtesten Ausprägungen des Heavy Metal muss Jürg Zentner passen. (Für Laien: Wenn der Sänger so tönt, als würde er lebendigen Leibes durch einen Fleischwolf gedreht, hat man es höchstwahrscheinlich mit dem Subgenre Death Metal zu tun.) So um die 15 Rockkonzerte besucht Jürg Zentner pro Jahr. «Meiner Frau zuliebe sind auch weniger harte Bands dabei», erzählt er lachend. Etliche Klassiker wie Status Quo, Metallica, Motörhead und AC/DC hat er schon mehrfach live gesehen. «Eines meiner ersten Rockkonzerte war Motörhead im Volkshaus in Zürich. Da war ich 18-jährig.» Vor allem erinnert er sich an die ohrenbetäubenden 115 Dezibel. «Solche Lautstärken sind heute gar nicht mehr erlaubt.» Nach zwei Tagen am Urrock-Festival zog es ihn am vorletzten Wochenende noch ins Hallenstadion, um die Bands Evanescence

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