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42-2021 Aktuell Obwalden

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AKTUELL IM ARCHIV

AKTUELL IM ARCHIV Mitarbeiter gingenauf die Barrikaden Die Glasfabrik Haefeli galt als Vorzeigebetrieb. Doch hinterden Kulissen brodelte es.1979 kam es zumgrossen Knall. Mittendrin: Heinz Gasser. Als Carl Haefeli 1957 von Luzern nach Sarnen zog, um hier eine Kristallglasfabrikaufzubauen, begann eine Erfolgsgeschichte. Zu Anfangszeiten wurden Glas und Porzellan eingekauft, umdas Material zu veredeln, zum Beispiel durch Bemalung. Weil Haefeli –damals ein 30-jähriger Jungunternehmer –mit der Qualität der angelieferten Ware nicht zufrieden war,entschied er sich, das Glas selbst zuproduzieren. Dafür wurde neben dem bestehenden Firmengebäude in Bitzighofen, in das die Carl Haefeli AG eingezogen war, ein neues Produktionsgebäude mit zwei grossen Schmelzöfen geschaffen. 1959 zählte die Kristallglasfabrik bereits 100 Mitarbeiter, einige Jahre später waren es 150. Die Fabrikationsfläche betrug stolze 5000 Quadratmeter. Aus der ganzen Schweiz reisten Wirtschaftsvertreter und andere Interessierte nach Sarnen, um einen Blick in das erfolgreiche und stark wachsende Unternehmen werfen zu können.Die Kristallglasfabrik überwand in den Folgejahren so manche Krise, etwa einen Grossbrand im Jahr 1960, das schwere Erdbeben von 1964 und die weltweite Ölkrise ab1973. Die härtestePrüfungallerdings folgte im Jahr 1979. Und sie kam ausgerechnet aus den eigenen Reihen. Waswar passiert? Zusammenarbeit mit Gewerkschaft Carl Haefeli (1927-2020) war unbestritten ein hervorragender Unternehmer. Ob er auch ein guter Arbeitgeber war, stand auf einem anderen Blatt geschrieben. Ein Teil der Belegschaft zumindest war mit den Arbeitsbedingungen höchst unzufrieden – vor allem mit der leistungsabhängigen Besoldung (Akkordarbeit) ohne festgelegten Mindestlohn, mit den langen Arbeitstagen, Heinz Gasser heute undam19. November 1979 in einem Beitrag der Sendung«Blickpunkt» im Schweizer Fernsehen, als über den Streik in Sarnen berichtet wurde. (Bilder: ve /Screenshot SRF)

Blick auf Bitzighofen im Jahr 1993: Rot markiertdas Areal der Kristallglasfabrik (heute stehen dort Wohnhäuser). Bild: ETH-Bibliothek ZH, Fotograf: Somorjai Zsolt, Com_FC12-6060-037 den unbezahlten Überstundenund mit dem Fehlen eines Gesamtarbeitsvertrags in der Branche. Gemeinsam mit der damaligen Gewerkschaft CMV (Christliche Gewerkschaft für Industrie, Handel und Gewerbe) wehrten sie sich ab Anfang 1979 gegen die aus ihrer Sicht unzumutbaren Arbeitsbedingungen. Doch ohne nennenswerten Erfolg. «Nur über meine Leiche kommt ein Gesamtarbeitsvertrag zustande», soll Carl Haefeli im Gespräch mit der Gewerkschaft mehrmals gesagt haben. Nach einer Unterschriftensammlung, in der die Mitarbeiter die Bildung einer Arbeitnehmervertretung forderten, entliess Haefeli im Oktober 1979 drei Mitarbeiter. Dies brachte das Fass zum Überlaufen: Etwa die Hälfte der rund 90 Mitarbeiter –die genauen Zahlen schwanken je nach Quelle –traten erst in einen halbtägigen Warnstreik und legten später, nachdem sich Haefeli unbeeindruckt gezeigt hatte, ihreArbeit ganz nieder. Die Glasfabrik wurde schweizweit zum Gespräch. Haefeli drohte den Streikenden mit der Entlassung –und setzte die Drohung am dritten Streiktag tatsächlich um. Schmerzvolle Erinnerungen Mittendrin imSturm war Heinz Gasser. Der 72-Jährige ist einbekanntes Gesicht im Kanton, jahrzehntelang arbeitete er erfolgreich in der Gastronomie, führte unter anderem die «Loki» und später das City-Pub inSarnen. Die Lehregemacht hat er bei Haefeli als Glasbläser —mehr auf Druck seines Vaters als aus Eigeninitiative. Und heute, ein halbes Jahrhundert später, wenn Heinz Gasser auf seine damalige Lehrzeit in der Glasfabrik zurückblickt, dann treibt es dem gestandenen Mann doch tatsächlich fast Tränen in die Blick in die Sarner Kristallglas-Fabrik im Jahr 1973. (Bilder:ETH-Bibliothek Zürich, Fotograf: Hans Witschi)

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