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37-2021 Aktuell Obwalden

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AKTUELL PERSÖNLICH

AKTUELL PERSÖNLICH Karge Kelche in derKirche Der Obwaldner Meinrad Burch-Korrodi arbeitete in Zürich als Goldschmied. Vorallem die Kelche des Künstlers haben es Franz Enderli angetan. Die Faszination möchte er nun teilen. Dass der Kernser alt Regierungsrat Franz Enderli als Theologe eine Affinität zu Messkelchen hat, liegt auf der Hand. Fasziniert ist er aber nicht allein vom Sakralen, sondern vor allem vom Künstler, aus dessen Werkstatt viele Kelche stammen: Meinrad Burch-Korrodi (1897-1978). Der gebürtige Giswiler arbeitete als Goldschmied. Dass er sein Handwerk beherrschte und ein international gefragter Mann war, zeigte sich allein schon am Domizil seines Geschäfts. Er und seine Mitarbeiter waren an bester Lage an der Bahnhofstrasse in Zürich zu finden. Mondän war die Adresse –doch Burch-Korrodis Werke sprachen eine gegenteilige Sprache: schnörkellos und schlicht. Im Englischen kennt man dafür den Ausdruck «form follows function»: die Form folgt der Funktion. Genau dies gefällt Enderli. «Diese Reduktion auf das Wesentliche, diese strenge Formsprache –das finde ich unglaublich ansprechend.» Schlichtheit als Markenzeichen Kelche – Schätzungen zufolge verliessen um die 4000 Exemplaredas Atelier in Zürich –waren bei weitem nicht die einzigen Preziosen aus dem Hause Burch-Korrodi. In vielen Kirchen in der Schweiz und im Ausland finden sich beispielsweise Monstranzen, Schnörkellos: Das Schaufenster vonMeinrad Burch-Korrodi an der Bahnhofstrasse 44 in Zürich. Schlichtheit als typisches Merkmal: Inserat von Burch-Korrodi in der NZZ vomDezember 1961.

Franz Enderli mit einem Kelch vonMeinrad Burch-Korrodi in der Kollegi-Kirche Sarnen. Bild: ve Ein Schaffer und Sammler Meinrad Burch-Korrodi war nicht nur Goldschmied mit Ideenreichtum und immenser Schaffenskraft, sondern auch leidenschaftlicher Sammler von Zeichnungen, Bildern und Fotografien. 1972, also sechs Jahre vor seinem Tod, errichtetenMeinrad Burch-Korrodi und seine zweite Frau Hedwig Maria Burch-Wyser die Stiftung «Graphische Sammlung Meinrad Burch-Korrodi». Diese Stiftung bezweckt, das Schaffen und Sammeln von Burch-Korrodi aufzubewahren und in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Sammlungsbestand wurde dem Kanton als Schenkungüberlassen. Das wohl bekannteste Werk vonBurch-Korrodi ist die lebensgrosse Bruder-Klausen-Figur im Altar der Sachsler Kirche. Tabernakel und Kerzenstöcke mit der unverkennbaren Handschrift des Obwaldner Goldschmieds. Auch profane Kunst stellten Burch-Korrodi und seine bis zu 20 Mitarbeiter in der Zürcher Bahnhofstrasse her: Ohrringe, Medaillen, Halsketten, Silberbesteck. Bereits bei der Eröffnung des Geschäfts im Jahr 1932 stach die Schlichtheit hervor, wie sich in der Zeitung «Neue Zürcher Nachrichten» nachlesen lässt: «Zwei hohe Schränke lassen durch ihreverschiebbaren Glaswände eine Menge hübsch gruppiertes Silbergerät sehen. In diesem herrscht eine durchaus schlichte, vor allem zweckmässig empfundene Formgebung vor.» Sonderausstellung mit Leihgaben Seit 2007 findet sich im Untergeschoss des Obwaldner Bildungs- und Kulturdepartements eine kleine Ausstellung, die das Schaffen und Leben von Burch-Korrodi nachzeichnet. Enderli, der früher als Kulturdirektor Präsident der Stiftung (siehe

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