Aufrufe
vor 1 Jahr

Aktuell Obwalden 38-2017

  • Text
  • Sarnen
  • Giswil
  • Telefon
  • September
  • Sachseln
  • Obwalden
  • Gemeinderubrik
  • Alpnach
  • Kerns
  • Vermieten
Aktuell Obwalden Gratis jede Woche in alle Haushaltungen von Obwalden. Immobilien, Veranstaltungen und Stellenmarkt.

Gemeinderubrik Giswil

Gemeinderubrik Giswil Äs isch nid alls wahrund nid alls nyd So heisst der Untertitel der 1988 erschienenen Tonbandkassette «Äs Nätschi –Obwaldnerdytschi Gschichte mit Sagen und Geschichten aus Giswil» von Hanspeter Niederberger, der als Volkskundler, Sagensammler und Autor Pionierarbeit leistete. Es ist ihm gelungen,indie Welt der Volksfrömmigkeit vorzudringen, von der die meisten gar nicht mehr wissen, dassessie gab und in beschränktem Masse heute nochgibt. Hanspeter Niederberger, 1952 geboren, wächst als Bauernbub mit acht Geschwistern im Ober Lätten inDallenwil auf. Als Kind ist er manchmal bei seinem Onkel Werner aufder Alp Arni-Stalden, oberhalb Engelberg. Das Vieh der Familie Niederberger ist dort zAlp. Werner ruft allabendlich den Betruf, erzählt Hanspeter von unerlösten Armen Seelen, zeigt ihm die Muttergottes-Tanne mit dem Bruder-Klausen-Bildnis. 1974, nach Abschluss seiner Ausbildung am Lehrerseminar Luzern, reist er mit seiner Frau Praxedis nach Indien, Sri Lanka, Nepal, Thailand, Bali. 1980 kaufen Hanspeter und Präxi Niederberger das Bauernhaus Kapellmatt im Kleinteil-Giswil und reisen ein halbes Jahr in Peru. Eine Reise, die das Leben von Hanspeter Niederberger prägen wird. In der Wüste von Nazca entdecken sie die berühmten Scharrlinien, schnurgerade, kilometerlange Zeichnungen von Menschen und Tieren, besuchen die Deutsche Maria Reiche, die seit 1941 die Linien erforscht und vermisst – ihre Luftaufnahmen sind weltberühmt. Besonders beeindruckt ist Niederberger vom Reichtum der peruanischen Volksfrömmigkeit. In den Abwehrzeichen, Amuletten, Votivtafeln, der Heiligen- und Muttergottesverehrung und den religiösen Festen der indigenen Bevölkerung erkennt er Parallelen zur Innerschweiz. «Hampihat michgefragt, warum wir in Peru vom Reichtum der Volksfrömmigkeit überwältigt sind, während sie in der Schweizkaum beachtet wird», erinnert sich seine Frau Präxi. Zurück in Giswil beginnt Hanspeter Niederberger zu forschen: Orte und Menschen in unmittelbarer Nähe werden ihm zur Quelle zahlreicher Geschichten und Sagen. Auch der unheimliche Lauibach, Ort der grössten Hexenverfolgung der Schweiz, fasziniert Niederberger. Hanspeter und Praxedis Niederberger teilen sich die Betreuung ihrer fünf Kinder und unterrichten in 50-Prozent-Pensen an der Primarschule Giswil. Zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern gestalten sie den Stationenweg zur 1522 gebauten, sagenumwobenen Sakramentskapelle. 1984 erscheint zum 100-Jahr-Jubiläum der Giswiler Älplerbruderschaft das Buch «Giswiler Sagen», illustriert mit Zeichnungen ihrer Schulklasse. Beim Sagen und Geschichtensammeln stösst Niederbergerzunächst aufWiderstand. DieKontaktpersonen reagieren aus religiösen Gründen ängstlich oder misstrauisch, weil sie fürchten, als Spinner zu gelten. Mit dem Buch «Giswiler Sagen» wird Hanspeter Niederberger in Obwalden bekannt als einer, derGeschichten sammelt. Niederberger ist eng mit dem vom Kirchenjahr geprägten Brauchtum verbunden. Für die Älplerchilbi Giswil dichtet er mit seiner Frau Präxi Älplersprich, an Weihnachten steht jeweils die alte Krippe der Kleinteiler Sankt-Antonius-Kapelle in der Stube. Die Lärmbräuche des Samiglaistrinklä faszinieren ihn ebenso wie die Fasnacht. Für den Palmsonntag bindet ermit seinen Schülerinnen und Schülern das Siebnerlei. «Im Sommer waren wir mit den Kindern oftauf der Alp Chäseren ob Sarnen oder unternahmen Wanderungen zuGiswiler Alpen», erinnert sich Praxedis Niederberger. «In Hörweite der Hütte packte Hampi jeweils sein Alphorn aus und spielte. Bei einem Cheli, einem Kaffee mit Zucker und Schnaps, fingen die Älpler an zu erzählen…» Hanspeter Niederberger ist auch ein talentierter Handwerker: Fürseine Kinder baut er Spielzeuge, wie ein Windspielmit Alphornbläsern und Fahnenschwingern oder eine kleine Motorsäge aus Holz mit Tricouni-Nägeln als Kette. Er vertieft sich inFachliteratur, ist in Kontakt mit dem Mythenforscher Sergius Golowin, sammelt Sagenbücher aus der ganzen Schweiz und sucht nach magischen Objekten. In den Sagen findet er die Verwendung der magischen Gegenstände in den Geschichten über Toggeli, Dämonen und Arme Seelen. Unermüdlich ist Hanspeter Niederberger auf der Suche: wenn ein altes Bauernhaus abgebrochen wird, sucht er nach Verpflöckungen, Gemeinderubrik Giswil

Hanspeter Niederberger Christof Hirtler «Dabei ist kaum bekannt, dass sich auch bei uns, trotz Aufklärung und des unermüdlichen Kampfes der Kirche gegen Aberglauben, solche Rituale bis in die Neuzeit retten konnten. Dem magischen Denken im Volksglauben begegnen wir auf verschiedenen Ebenen: In Sagen und im Brauchtum lassen sich solche Spuren erkennen.» Nachdem Hanspeter Niederberger die letzten Seiten des Buches «Geister, Bann und Herrgottswinkel» gelesen und korrigiert hat, reist er mit seiner Familie am30. September 2000 in die Ferien. Die Vernissage seines Buches hat er nicht mehr erlebt. Christof Hirtler Faustförmiger Türknauf ausEichenholzander Aussenseite der Stubentür, Kapellmatt, Giswil. Die abwehrende Hand ist die ein -fachste und natürlichste Abwehrgeste. Viele antike Amulette zeigen die geballte Faust. Sie isteineDrohung an die Dämonen. Amuletten oder Kultgegenständen. Er ist beteiligt an mehreren Büchern und Publikationen, porträtiert u.a.den Maler und Weltenerfinder Beda Durrer. Geri Dillier, Hörspielregisseur Radio SRF, liest seine Texte, fördert ihn und führt Regie bei den Tonträgern «Äs Nätschi» und «Schatzgräber – Sagen um den Wellenberg». Geri Dillier erinnert sich: «Für den Mundartforscher und Radiomann Christian Schmid gehört Hanspeter Niederberger zu den wichtigsten Sagensammlern und zu den stärksten Sagenerzählern der Schweiz. Erhat mit ihm mehrereSchnabelweid-Sendungen gestaltet.» 1999 lagern nach 20-jähriger Forschungstätigkeit kistenweise magische Objekte, stapeln sich Ordner, Fachliteratur und Sagenbücher bei Hanspeter Niederberger. Ich darf ihn bei seinem neuesten Buchprojekt als Fotograf begleiten. Es trägt den Titel «Geister, Bann und Herrgottswinkel» –ein fotografisches Geschichtenbuch über die Magie unserer Vorfahren. Wir treffen uns in seinem Haus am runden Tisch inder Küche. Hampi zeigt mir Bilder von Geisterzimmern, erklärt mir die Bedeutung des «Siebnerlei» und holt zahlreiche Gegenstände wie das «Toggelikreuz», Rosenkränze und Amulette aus grauen Transportkisten. Ich bin fasziniert. Hampi erklärt mir seine Idee: Ausgehend von realen magischen Gegenständen, will er deren Bedeutung und Verwendung erklären und mit den entsprechenden Sagen belegen. Er will zudem aufzeigen, dass magische Rituale und Praktiken nicht nur in Asien, Südamerika oder Afrika gelebt werden. Inseinem Konzept zum Buch schreibt er: Eine Sage dieman sich,nicht nur, in Giswil erzählt AlsBub hatteich immerdie ganzeHandund alle Finger voll Warzen. Alles, was der Arzt machte, half nichts, im Gegenteil. Mein Vater ging zueinem Mann und fragte um Rat. Als erzurückkam, sagte er:«DieWarzenhast du nicht mehr lange.» Am SonntagnahmmichmeinVater mit.Wir gingen in den Wald. Irgendwo, ganz abseits, musste ich den Schuhbändel aus einem Schuh herauslösen. Wir machten so viele Knoten in den Bändel, wie ich Warzen hatte. Nun musste ich den verknotetenBändelaneinem Ortverstecken, wo ihn niemand finden konnte. Alles war kurios und ich dachte, mein Vater sei nicht mehr ganz im Kopf. Ich glaubte überhaupt nicht an einen Erfolg. Nach einigerZeitsah ichplötzlich, dass ichkeine Warzen mehr hatte. Ich meinte zu spinnen, aber sie waren weg. (mitgeteilt vonB.R., Giswil,1999) Foto Titelseite: Hanspeter Niederberger (1952–2000) Sagenforscher, Autor, Lehrer und Hausmann, Giswil / Kleinteil. Autor des Buches «Geister, Bann und Herrgottswinkel». Auszüge aus der Neuauflage «Geister,Bannund Herrgottswinkel» von Hanspeter Niederberger & Christof Hirtler, erschienen im bildfluss-Verlag. Erhältlich bei bildfluss Bücher Dillier, Sarnen. DieSonderausstellung «Sagen, Mythenund Legenden in Obwalden» im Historischen Museum Obwalden ist bis 30. November jeweils von Mittwoch bis Sonntag 14 –17Uhr geöffnet. www.museum-obwalden.ch Geister, Bann und Herrgottswinkel Gemeinderubrik Giswil

Sarnen Giswil Telefon September Sachseln Obwalden Gemeinderubrik Alpnach Kerns Vermieten

Archiv Aktuell Obwalden

50-2018 Aktuell Obwalden
49-2018 Aktuell Obwalden
48-2018 Aktuell Obwalden
47-2018 Aktuell Obwalden
46-2018 Aktuell Obwalden
45-2018 Aktuell Obwalden
44-2018 Aktuell Obwalden
43-2018 Aktuell Obwalden
42-2018 Aktuell Obwalden
41-2018 Aktuell Obwalden
40-2018 Aktuell Obwalden
39-2018 Aktuell Obwalden
38-2018 Aktuell Obwalden
37-2018 Aktuell Obwalden
36-2018 Aktuell Obwalden
35-2018 Aktuell Obwalden
34-2018 Aktuell Obwalden
33-2018 Aktuell Obwalden
32-2018 Aktuell Obwalden
30-2018 Aktuell Obwalden
29-2018 Aktuell Obwalden
28-2018 Aktuell Obwalden
27-2018 Aktuell Obwalden
26-2018 Aktuell Obwalden
25-2018 Aktuell Obwalden
24-2018 Aktuell Obwalden
23-2018 Aktuell Obwalden
22-2018 Aktuell Obwalden
Aktuell Obwalden 21-2018
Aktuell Obwalden 20-2018
Aktuell Obwalden 19-2018
Aktuell Obwalden 18-2018
Aktuell Obwalden 17-2018
Aktuell Obwalden 16-2018
Aktuell Obwalden 15-2018
Aktuell Obwalden 14-2018
Aktuell Obwalden 13-2018
Aktuell Obwalden 12-2018
Aktuell Obwalden 11-2018
Aktuell Obwalden 10-2018
Aktuell Obwalden 09-2018
Aktuell Obwalden 08-2018
Aktuell Obwalden 07-2018
Aktuell Obwalden 06-2018
Aktuell Obwalden 05-2018
Aktuell Obwalden 04-2018
Aktuell Obwalden 03-2018
Aktuell Obwalden 02-2018
Aktuell Obwalden 01-2018
Aktuell Obwalden 51-2017
Aktuell Obwalden 50-2017
Aktuell Obwalden 49-2017
Aktuell Obwalden 48-2017
Aktuell Obwalden 47-2017
Aktuell Obwalden 46-2017
Aktuell Obwalden 45-2017
Aktuell Obwalden 44-2017
Aktuell Obwalden 43-2017
Aktuell Obwalden 42-2017
Aktuell Obwalden 41-2017
Aktuell Obwalden 40-2017
Aktuell Obwalden 39-2017
Aktuell Obwalden 38-2017
Aktuell Obwalden 37-2017
Aktuell Obwalden 36-2017
Aktuell Obwalden 35-2017
Aktuell Obwalden 34-2017
Aktuell Obwalden 33-2017
Aktuell Obwalden 32-2017
Aktuell Obwalden 30-2017
Aktuell Obwalden 29-2017
Aktuell Obwalden 28-2017
Aktuell Obwalden 27-2017
Aktuell Obwalden 26-2017
Aktuell Obwalden 25-2017
Aktuell Obwalden 24-2017
Aktuell Obwalden 23-2017
Aktuell Obwalden 22-2017
Aktuell Obwalden 21-2017
Aktuell Obwalden 20-2017
Aktuell Obwalden 19-2017
Aktuell Obwalden 18-2017
Aktuell Obwalden 17-2017
Aktuell Obwalden 16-2017
Aktuell Obwalden 15-2017
Aktuell Obwalden 14-2017
Aktuell Obwalden 13-2017
Aktuell Obwalden 12-2017
Aktuell Obwalden 11-2017
Aktuell Obwalden 10-2017
Aktuell Obwalden 09-2017
Aktuell Obwalden 08-2017
Aktuell Obwalden 07-2017
Aktuell Obwalden 06-2017
Aktuell Obwalden 05-2017
Aktuell Obwalden 04-2017
Aktuell Obwalden 03-2017
Aktuell Obwalden 02-2017
Aktuell Obwalden 01-2017
Aktuell Obwalden 51-2016
Aktuell Obwalden 50-2016
Aktuell Obwalden 49-2016
Aktuell Obwalden 48-2016
Aktuell Obwalden 47-2016
Aktuell Obwalden 46-2016
Aktuell Obwalden 45-2016
Aktuell Obwalden 43-2016
Aktuell Obwalden 42-2016
Aktuell Obwalden 41-2016
Aktuell Obwalden 40-2016
Aktuell Obwalden 39-2016
Aktuell Obwalden 38-2016
Aktuell Obwalden 37-2016
Aktuell Obwalden 36-2016
Aktuell Obwalden 35-2016
Aktuell Obwalden 34-2016
Aktuell Obwalden 33-2016
Aktuell Obwalden 32-2016
Aktuell Obwalden 30-2016
Aktuell Obwalden 29-2016
Aktuell Obwalden 28-2016
Aktuell Obwalden 27-2016
Aktuell Obwalden 26-2016
Aktuell Obwalden 25-2016
Aktuell Obwalden 24-2016
Aktuell Obwalden 23-2016
Aktuell Obwalden 22-2016
Aktuell Obwalden 21-2016
Aktuell Obwalden 20-2016
Aktuell Obwalden 19-2016
Aktuell Obwalden 18-2016
Aktuell Obwalden 15-2016
Aktuell Obwalden 14-2016
Aktuell Obwalden 13-2016
Aktuell Obwalden 12-2016
Aktuell Obwalden 11-2016
Aktuell Obwalden 10-2016
Aktuell Obwalden 09-2016
Aktuell Obwalden 08-2016
Aktuell Obwalden 07-2016
Aktuell Obwalden 05-2016
Aktuell Obwalden 04-2016
Aktuell Obwalden 03-2016
Aktuell Obwalden 02-2016